2013

Test: Lügen (Stern TV)

Wie ehrlich sind die Deutschen?

 

Bis zu 200 Mal schwindelt ein Durchschnittsbürger pro Tag. Meistens sogar aus gutem Grund. Aber lügen Frauen anders als Männer? Und woran erkennt man, ob jemand die Wahrheit sagt? stern TV erklärt es.

Sich Vorteile erschleichen, Konsequenzen vermeiden, nett sein oder jemandem gefallen wollen – zig Gründe verführen uns tagtäglich zu kleineren und größeren Lügen. Und manchmal, das wissen vor allem Frauen, ist eine gnädige Lüge leichter zu ertragen als die kränkende Wahrheit. Ob kleine Notlügen oder ein Riesenschwindel – fest steht: Wer von sich behauptet, immer und zu jeder Zeit die reine Wahrheit zu sagen, der lügt. Zwischen 50 und 200 Mal pro Tag soll jeder Bundesbürger durchschnittlich lügen. Männer und Frauen lügen allerdings gleich häufig. Frauen fühlen sich beim Lügen aber deutlich schlechter als Männer. Ob Frauen grundsätzlich anders lügen als Männer – und aus welchen Gründen wir zum Schwindeln neigen, das hat stern TV in einem Psychoexperiment getestet.

In der Testsituation spielt ein Galerist den Lockvogel. Er bittet sechs Männer und sechs Frauen, verschiedene Gemälde zu benoten: 1 für “miserabel”, 7 für “genial”. Hat sich eine der Testpersonen für das schlechteste Gemälde entschieden, verkündet der Galerist, er sei der Maler eben dieses Bildes. Das spannende Ergebnis: Während kein Einziger der sechs Männer seine schlechte Benotung nachträglich verbesserte, haben die Frauen ihr Urteil im Nachhinein um insgesamt 14 Punkte nach oben korrigiert. Typisch Frau, weiß der Experte Jack Nasher, Autor des Lügenweisheiten-Buchs „Durchschaut – Das Geheimnis, kleine und große Lügen zu entlarven“: „Der Wille, ihm einen Gefallen zu tun und dass er sich besser fühlt ist größer, als die Wahrheit zu sagen. Frauen sind sozial entgegenkommend. Sie möchten, dass sich der andere gut fühlt. Männern ist es nicht so wichtig.“

Frauen lügen aus sozialen Gründen, Männer aus egoistischen

Und das sagt auch die Wissenschaft: Frauen lügen überwiegend aus sozialen Gründen – etwa um Harmonie herzustellen oder anderen zu gefallen. Männer hingegen lügen eher aus egoistischen Gründen. Zum Beispiel, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder um Probleme abzuwenden. Das zeigte sich in einem weiteren Test: Unser Lockvogel bittet Passanten, ihm dabei zu helfen, einen Tisch in seine Wohnung zu tragen. Doch die Männer müssen angeblich ganz dringend zu einer Verabredung. An der nächsten Ecke steht eine attraktive Frau, die eine Straße sucht. Für sie haben die beiden Herren plötzlich alle Zeit der Welt, wollen im Anschluss sogar mit ihr einen Kaffee trinken.

Grundsätzlich gibt es nur zwei Gründe, aus denen Menschen lügen, belegen viele wissenschaftliche Tests: Man will sich einen Vorteil verschaffen oder man möchte negative Konsequenzen vermeiden. Diese lassen sich auf jeden Schwindel anwenden. Warum ist es aber so schwer zu erkennen, ob das Gegenüber gerade lügt oder die Wahrheit spricht? Die Chance, eine Lüge als solche zu erkennen, läge bei unter 50 Prozent, so Experte Nasher: „Wir lernen in unserem Leben normalerweise hinzu, indem wir Feedback bekommen, ob etwas klappt oder stimmt“, sagt Jack Nasher. „Beim Lügen ist das anders. Denn wir erfahren nur ganz selten, ob wir belogen wurden. Manchmal bekommen wir es einige Zeit später heraus. Aber dann wissen wir nicht mehr: Wie hat die Person in dem Moment geschaut? Wie waren die Augen?“ Für die Zukunft ist das keine Lehre. Frauen haben jedoch geringfügig bessere Chancen, eine Lüge zu erkennen. Das weibliche Geschlecht hat feinere Antennen und nimmt Verhaltensveränderungen ihres Gegenübers eher wahr – typisch beim Lügen. Frauen sind aber tendenziell vertrauensseliger, als Männer. Sie nutzen ihre Antennen also nicht immer erfolgreich.