2014

Psychoexperiment: Neid (Stern TV)

Wie reagieren Menschen, wenn ihnen nur knapp ein großer Gewinn entgeht, der eigentlich für sie bestimmt war? Und wie viel Missgunst gibt es unter Konkurrenten im Job? Um herauszufinden, was Menschen neidisch macht, hat stern TV Alltagssituationen inszeniert, die Neid provozieren:

Ein knapp verpasster Gewinn

NEID

 

 

 

 

 

In einem Berliner Möbelhaus wird der millionste Kunde erwartet. Er soll einen Scheck über 100.000 Euro bekommen. Lockvogel Alexander ist Kunde im Möbelhaus und möchte lediglich ein Set Kleiderbügel bezahlen. An der Kasse fragt er freundlich, ob er vorgelassen wird. Die Kunden willigen ein. Auch eine junge Dame, die bei der Verkündung des Gewinns sogleich behauptet: „Er hat sich vorgedrängelt und gewinnt jetzt?!“ Auf Nachfrage gibt sie zu, sehr neidisch zu sein. Eine andere Dame verfällt in derselben Situation geradezu in eine Schockstarre. Dann beklagt sie sich über die Gemeinheit, schimpft über Alexander kaum hörbar „Arschloch“. Auch sie wird mit einer Nachfrage konfrontiert. „Dass der junge Mann das angenommen hat, finde ich nicht gut“, meckert sie. “

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Das ist Beschiss, ich komme hier nicht noch einmal einkaufen!“ Was in diesen Menschen vorgeht, kann der Psychologe Dr. Thomas Zimmermann wissenschaftlich erklären: „Der neidische Impuls entsteht, wenn man etwas begehrt, was man nicht erreichen kann, ein anderer es aber schon hat.“ Die beiden Damen haben ihre Emotion daraufhin in Wut und Ärger gewandelt.

 

Neid ist aber nicht allein ein menschliches Phänomen, wie der Biologe Frans de Waal von der Emory-Universität in Atlanta herausfand. Er ließ einem Kapuzineräffchen als Belohnung für eine Aufgabe ein Stück Gurke geben, einem anderen eine Traube – der weitaus attraktivere Snack. Als der Affe mit der Gurke das registrierte, reagierte er ebenfalls neidisch, wurde wütend. Er bewarf die Laborantin mit dem Gurkenstück und lärmte am Käfiggitter.

 

Strategien, um den Selbstwert wieder herzustellen

Dass Neidreaktionen noch heftiger ausfallen können, zeigt das zweite stern TV-Experiment: ein inszeniertes Model-Casting. Nur Lockvogel Julia ist eingeweiht. Die Legende: Es wird ein Mädchen für ein professionelles Shooting gesucht, auf die Siegerin wartet angeblich ein Shooting in der Karibik.

Während sich die anderen Mädchen beim Test-Shooting professionell zurückhaltend geben, flirtet Julia mit dem Fotografen, was das Zeug hält. Ihr Verhalten bleibt nicht unbemerkt. Als Julia dann das Casting gewinnt, reagieren die anderen Mädchen entsprechend neidisch. Sie strafen den Lockvogel mit eisigen Blicken. Kurz darauf wird ungebremst gelästert: Julia sei nicht hübsch, habe kurze Beine, sie käme ohnehin nicht nach ganz oben. Bemängelt wird aber vor allem Julias Flirtoffensive. Das Heruntermachen des Lockvogels ist aus wissenschaftlicher Sicht ebenfalls erklärbar: „Sie lästern, um ihren eigenen Selbstwert zu stabilisieren“, so der Neid-Forscher Zimmermann. „Damit können sie ihren Neid in den Griff bekommen.“ Neid könne aber auch ein Ansporn sein. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass die vier anderen Models in einem zweiten Test-Shooting plötzlich die Strategie des Lockvogels kopieren und sich wesentlich enthemmter geben. Neid könne auch ein entwicklungsförderliches Gefühl sein, so der Experte, etwa wenn man sich im Wettbewerb befindet. Wichtig sei, den eigenen Selbstwert wieder herzustellen.

Bei manchen Menschen kann der Neid aber auch lähmen, nämlich wenn der Selbstwert in einer Situation so stark beschädigt ist, dass der Betroffene nicht mehr aktiv für sich kämpfen kann. Seine Gefühle könne man auch ausgleichen, indem man beispielsweise den Vorfall bagatellisiert, sogt der Experte. Im 100.000-Euro-Experiment reagierte ein älteres Ehepaar sogar äußerst gelassen – und kein bisschen sauer. „Wir haben noch nie etwas gewonnen, da ist es jetzt auch egal“, so der Ehemann im Experiment. Für Dr. Zimmermann ist das keine Überraschung: „Aufgrund ihrer Lebenserfahrung sind ältere Menschen besser in der Lage, ihre Gefühle zumindest zu kontrollieren. Und sie können besser mit Enttäuschungen umgehen und dadurch anderen etwas gönnen.“

Neid basiert auf sozialem Vergleich, der von frühester Kindheit an stattfindet, erklärt der Experte: „Einen gewissen Neid haben wir alle innewohnen, aber wir gehen unterschiedlich damit um.“ Strategien, die Ihnen dabei helfen können, haben wir hier für Sie zusammengestellt.