2017

Wie Auszubildende im Friseurhandwerk ausgebeutet werden (Stern TV)

Dass der Friseurberuf nicht gut bezahlt wird, ist hinlänglich bekannt. Trotz Tarifen und Mindestlohn kommen die Angestellten kaum über die Runden. Noch schlechter sieht es für die Auszubildenden aus – teilweise bekommen sie nur 153 Euro im Monat. Keine tarifliche Ausbildungsvergütung in ganz Deutschland ist so gering, wie jene für Friseur-Azubis in Sachsen-Anhalt. Genau deswegen fühlt sich Christine Schierenberg ausgenutzt: In ihrem ersten Lehrjahr bekam sie nur 153 Euro im Monat, im zweiten Lehrjahr sind es jetzt knapp 179 Euro, noch dazu schiebt die 20-Jährige Überstunden und leistet Schichtdienste.

In Brandenburg verdient die 18-jährige Jasmin im 2. Lehrjahr geringfügig mehr, als Christine. Ihr Monatsgehalt: 260 Euro brutto. Ohne die Unterstützung ihres Freundes wäre Jasmin gar nicht in der Lage, ihre Friseur-Ausbildung zu machen. Ihr Freund bezahlt die gesamte Miete für die gemeinsame Wohnung in Frankfurt/Oder, und übernimmt alle Kosten für Strom, Wasser, Telefon und Internet. Jasmin schafft es mit ihrem Lohn gerade einmal, zwischendurch den Kühlschrank für die beiden zu füllen.

Regina Bär hat ihre Lehrjahre schon lange hinter sich. Die 38-Jährige arbeitet seit 20 Jahren als Friseurin in Magdeburg. Doch auch sie sagt: „Der größte Stress in meinem Job kommt durch den finanziellen Druck auf“, so die alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter. Um etwas mehr als den Mindeststundenlohn zu bekommen, muss sie für ihren Chef mehr das Vierfache ihres Bruttolohns an Umsatz erbringen. „Und das jeden Monat. Deswegen arbeitet man die Kunden hintereinander weg, um so viel an Umsatz zu schaffen, wie möglich. Fair wäre eine solide Grundsicherung. Aber dieser ständige Druck, das macht auf Dauer krank.“ Regina Bär bekommt für ihre 30-Stundenwoche durchschnittlich 1312 Euro brutto im Monat. Durch die ständigen Geldsorgen und den permanenten Stress erlitt sie vor kurzem plötzliche Panikattacke bei der Arbeit.