2018

Wie perspektivlose Jugendliche zurück in die Gesellschaft finden (Stern TV)

In Fachkreisen werden sie „Systemsprenger“ genannt: junge Menschen, die durch fast alle Hilfesysteme in Deutschland gefallen sind. Jugendliche, die keine Strukturen oder Regeln kennen. Der Verein „Freestyle“ in Berlin kümmert sich um sie – mit einem ganz besonderen Konzept.

Michelle ist eine sogenannte Systemsprengerin: Sie ist durch alle sozialen Netze gefallen, jegliche Hilfsmaßnahmen blieben bei ihr erfolglos. Die vielleicht letzte Möglichkeit für die 20-Jährige: die Berliner Einrichtung Freestyle. Hier will man perspektivlosen jungen Menschen helfen, im Leben wieder Fuß zu fassen: Die Jugendlichen bekommen eine eigene Wohnung, werden bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz begleitet und von Pädagogen unterstützt.

Auch Alexanders Vergangenheit ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte: Seine allein erziehende Mutter war mit ihm und seinen beiden Geschwistern völlig überfordert. Mit zwölf gab sie ihn in ein Kinderheim, mit 16 landete der Junge im Gefängnis. Mehrfach hatte er Menschen überfallen und ausgeraubt. Als Alexander nach sechs Monaten aus dem Gefängnis entlassen wird, hat er nur einen Wunsch: „Ich will da auf keinen Fall wieder rein und ich werde auch alles dafür tun, nicht mehr reinzukommen.“

Dass es junge Menschen gibt, die ihre Chance nutzen, zeigt das Beispiel von Christoph: Mit 17 Jahren riss er aus dem Heim aus – und landete auf der Straße: „Was morgen oder übermorgen war, war mir scheißegal“, erzählt der 21-Jährige. Feste Strukturen kannte er nicht – bis Freestyle vor vier Jahren seine Betreuung übernahm. Und das in ihn gesetzte Vertrauen zahlte sich aus: Christoph hat eine Ausbildung zum medientechnischen Assistenten abgeschlossen, lebt mittlerweile in seinen eigenen vier Wänden und will das Abitur nachholen. Heute weiß er: Freestyle hat sein Leben komplett verändert.