2018

Cottbus – Wie der Streit um Zuwanderung eine Stadt spaltet (Stern TV)

Eine Stadt in Aufregung: In Cottbus eskaliert die Lage immer weiter. Weltoffene Bürger und Flüchtlinge auf der einen Seite, Menschen, die die Zuwanderung kritisieren und stoppen wollen auf der anderen. Am Samstag demonstrierten gleich beide Gruppen. Cottbus ist allerdings nicht die einzige Stadt, die sich darüber spaltet. Seit rund einem Jahr veranstaltet der Verein „Zukunft Heimat“ in Cottbus Demonstrationen gegen Zuwanderung und offene Grenzen. Einer der Demonstranten bei den „Zukunft Heimat“-Demos ist Ullrich Böhm (76), der sich selbst als „besorgten Bürger“ bezeichnet und als früherer CDU-Wähler mittlerweile der AfD seine Stimme gibt: „Ich gehe zu den Demonstrationen, um zu zeigen, dass ich mit der Asylpolitik nicht einverstanden bin. Nicht weil ich rechtsradikal oder ein Nazi bin“, so Böhm, der selbst als Redner bei den Veranstaltungen auftritt. Mohammed Scharr ist einer der Zugezogenen, die sich durch die aufgeheizte Stimmung in Cottbus nicht mehr sicher fühlen. Der 21-Jährige ist seit zwei Jahren anerkannter Flüchtling aus Damaskus. Dort sollte er zur Armee eingezogen werden und im Bürgerkrieg auf seine eigenen Landsleute schießen. Also floh er vor den Soldaten, die ihn holen sollten und das Haus seiner Familie zerstörten.Jetzt will Mohammed Scharr ein Zeichen für mehr gegenseitiges Verständnis setzen. Vergangenen Samstag organisierte er die Gegendemonstration zu den „Zukunft-Heimat“-Aufmärschen. Rund 1500 Asylbewerber, Ausländer und Deutsche zogen mit ihm gemeinsam durch die Stadt. Mohammed sagt: „Ich möchte den Menschen in Cottbus zeigen, dass wir keine Messerstecher, sondern nette Menschen sind, die sich integrieren möchten.“