2016

So arbeiten angeblich qualifizierte Kinderbetreuer (SternTV)

Nicht selten geht es Eltern wie den Hinzes: Sie brauchen für Tochter Amira und Sohn Felipe eine Betreuung, auf die sie sich verlassen können. Aber wer von den Leuten, die das anbieten, kann mit den Kindern auch umgehen oder ein Fernsehverbot durchsetzen? stern TV hat es mit versteckter Kamera getestet.

Amira ist sieben Jahre alt, ihr Bruder Felipe ist zehn. Und weil ihre Eltern beide berufstätig sind, sucht die Familie Hinze eine qualifizierte Fachkraft, die die beiden Geschwister regelmäßig betreuen soll. Sie soll mit ihnen spielen und das Fernsehverbot durchsetzen, und außerdem dafür sorgen, dass Amira und Felipe ihre Hausaufgaben machen und ihr Kinderzimmer aufräumen. Das sind keine enorm hohen Anforderungen an eine gute Kinderbetreuung. Doch was sich in der Testwohnung  vor den versteckten Kameras abspielte, ist besorgniserregend: rebellierende Kinder, die einfach abhauen, wilde Drohungen und heillos überforderte Nannys am Rande einer Nervenkrise. Dass es auch anders geht, zeigt der Test aber ebenso!

Expertin Gerlinde Unverzagt hat den stern TV-Test hinter den Kulissen verfolgt. Die 56-jährige vierfache Mutter und Bestsellerautorin gibt Eltern in zahlreichen Sachbüchern Hilfestellung bei der Erziehung. Ihr Fazit: „Im Test sah man den Unterschied zwischen Betreuen und Aufpassen. Eine der Nanny hat nur aufgepasst, als würde sie Schafe hüten. Betreuung sieht anders aus.“

Die Bilanz des Test war insgesamt ernüchternd: Von den sieben Nannys, die Amira und Felipe beim Probe-Sitten betreuen sollten, haben vier ihre Aufgabe noch nicht einmal ansatzweise erfüllt! Eine Nanny war zufriedenstellend – und nur eine hat mit ihrer offenen und geschickten Art, mit den Kindern umzugehen, voll und ganz überzeugt.

Persönliche Empfehlung und ein gutes Bauchgefühl

„Es ist schon schwierig, eine geeignete Kinderbetreuung zu finden“, weiß auch Expertin Gerlinde Unverzagt. „Man kann sich, wie sich auch im Test gezeigt hat, auf Zeugnisse, Zertifikate und Urkunden nicht unbedingt verlassen. Insofern wäre der erste Punkt: Wenn man die Kinderbetreuung kennen lernt, solle man auf sein Gefühl hören. Sobald man ein gewisses Unbehagen verspürt, dann sollte man es einfach lassen.“ Ihr Tipp: Beim ersten Treffen sich erst einmal von den Fragen leiten lassen, die die Nanny selbst stellt, anstelle gleich loszuerzählen. Denn die Fragen würden schon viel über die Umsicht, Erfahrung und Kompetenz der Person verraten.
Sie empfehle, sich auf der Suche nach einer Betreuung unter anderen Eltern umzuhören. Wichtig sei außerdem, dass man sich uneingeschränkt auf die Betreuungsperson verlassen könne, es sollte jemand sein, der die richtigen Entscheidungen trifft, also über eine gewisse emotionale Reife verfügt.